Der Regenbogen als Zeichen für Regen und Sonne,
symbolhaft für gute und schlechte Tage,
die Große und Kleine miteinander verbringen,
und die sie verbinden.
Der Regenbogen
als ein zufälliges Naturereignis,
welches immer wieder erscheint.
Ebenso zufällig und natürlich,
wie unterschiedliches Wachstum der Menschen.
Der Regenbogen
historisch als Symbol der Verbindung
zwischen Gott und den Menschen.
Im alten Testament schon erscheint der Regenbogen
nach der Sintflut als Zeichen der Liebe.
Die Bäume als Zeichen der Kraft und des Lebens,
die in ihrer unterschiedlichen Größe
gleichberechtigt nebeneinander wachsen,
miteinander verwurzelt sind
und aus der gleichen Quelle gespeist werden.
* * *
Der kleine und der große Baum
Es war einmal ein kleiner Baum, der stand neben einem großen Baum. Sie waren beide von derselben Art, aber gehörten verschiedenen Sorten an. Der große Baum zählte schon einige Jahre mehr als der kleine und war die meiste Zeit seines Lebens mutig emporgewachsen. Der kleine Baum hingegen war als Sämling recht schwach gewesen und blieb durch diesen Rückschlag auch in den weiteren Jahren ziemlich schwachwüchsig.
Ein Gärtner hatte vor einiger Zeit die beiden Bäume so nebeneinandergepflanzt, wie sie jetzt standen.
Wieder einmal sandte die Wintersonne ihre wärmenden Strahlen vom Himmel herab, doch der kleine Baum bekam nicht viel davon ab, denn er stand im Schatten des großen. Darüber ärgerte er sich, und wäre er nicht im Boden verwurzelt gewesen, so hätte er gerne dem großen Baum einen Tritt gegeben oder wäre einfach ein Stück davon gekrochen. Er ärgerte sich über den Gärtner, der ihn in den Schatten dieses großen Baumes gesetzt hatte, und er ärgerte sich auch über sich selbst, dass er so schwachwüchsig war.
In seinem Ärger schaffte er es immerhin, einen Zweig seines Nachbarn mit seinen Nadeln zu stechen, doch dieser schien es kaum zu bemerken und streckte sich nur noch mehr den wärmenden Sonnenstrahlen entgegen. Einige Stunden waren vergangen, in denen die Sonne ihren Lauf genommen hatte. Nun trafen ihre Strahlen auch den kleinen Baum, doch dieser war längst in seinem Ärger versunken und nahm sie nicht mehr wahr.
Es wurde Abend, und dunkle Wolken zogen am Himmel auf. Ein Windhauch regte sich, der sich bald zu einem Sturm verstärkte. Nun trieb er sogar dicke Schneeflocken vor sich her. Der kleine Baum blinzelte erschrocken durch die Zweige des
großen, doch dieser bot ihm weitgehend Schutz vor dem Unwetter. Mit
seinen starken Wurzeln klammerte er sich in das Erdreich, und auf seinen
dichten Zweigen türmte sich bald der weiße Schnee.
Als der
kleine Baum sah, mit welcher Anstrengung der große sich dem Sturm
entgegenwarf, fühlte er plötzlich tiefe Scham in sich aufsteigen.
Er schämte sich seines Ärgers, den er noch vor wenigen Stunden
auf den großen Baum und den Gärtner gehabt hatte, denn nun sah
er, welchen Schutz er an diesem Platz genoss. Er wünschte, dem großen
Baum etwas von seiner Schneelast abnehmen zu können, doch dieser trug
alles mit seinen starken Zweigen allein. Da ärgerte sich der kleine
Baum wieder, aber diesmal nur über sich selbst.
Doch
plötzlich verebbte das Brausen des Sturmes, und die schweren Wolken
zogen davon. Da leuchtete der helle Mond auf die Bäume herab, auf beide
gleichermaßen, denn er stand im Zenit, und tauchte ihre Zweige in
silbernen Glanz. Der kleine Baum schaute an sich herab und dann auf die
Zweige seines großen Bruders.
Und als er sah, dass sie beide gleichermaßen glänzten, dachte er bei sich: "Es ist schon richtig so. Der Gärtner hat keinen Fehler begangen, als er uns so nebeneinander pflanzte."